Erfahrungsbericht von Florian Neumann: Praxistag im Mehrgenerationenhaus „Kleiner Anton“

Letzte Woche durfte ich für einen Tag Praktikant im Mehrgenerationenhaus „Kleiner Anton“ in Rothenbergen sein. Mein Ziel war es, die Einrichtung und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sowie deren Arbeitsbedingungen und Arbeitsabläufe näher kennen zu lernen.

Los ging es für mich in der Hort-Betreuung. Die schulpflichtigen Kinder kamen zwischen 08:00 und 09:00 Uhr an. Dort malten sie ihre Bilder vom Vortag aus oder spielten miteinander. Um 09:00 Uhr ging es pünktlich ins angeschlossene Bistro zum gemeinsamen Frühstück.
Tage zuvor konnte das Bistro nicht benutzt werden. Hatte sich doch ein Wespen-Schwarm am Dach des Bistros ein Nest gebaut. Vereinzelte Wespen waren noch im Speiseraum unterwegs. Diese wurden von den Erzieherinnen mit viel Geschick nach draußen geleitet. Für diese Heldentat hagelte es von den Kindern kräftigen Applaus.

In Kleingruppen setzten sich die Kids zusammen an die Tische und wir frühstückten gemeinsam. Nachdem das Essen verputzt war, musste pro Tisch ein Tischdienst her. Hier war ich wirklich erstaunt. Gleich mehrere Kinder pro Tisch meldeten sich, um den Tischdienst freiwillig zu übernehmen. Die Erinnerung an meine Kindheit sah hier anders aus. Mein Bruder und ich stritten uns eher, da keiner den Tisch zu Hause abräumen wollte.
Pro Tischdienst erhalten die Kinder einen Punkt und am Ende vom Jahr werden die Punkte ausgewertet. Die Kinder mit den meisten Diensten werden mit einem kleinen Geschenk belohnt. Das ist ein riesiger Ansporn für die Kids. Vielleicht wäre das auch ein guter Tipp für meine Mutter gewesen.
Die Erzieherin verkündete den Tagesablauf und alle hörten gespannt zu. Nun wusste auch ich, was mich heute im Hort erwarten würde. Laternen für den Laternenumzug basteln.

Mein Bastelgeschick hält sich in Grenzen, doch ich gab mein Bestes. Die Erzieherinnen überlegten sich wirklich tolle Motive, in Absprache mit den Hort-Kindern. Die Wünsche der Kids standen hier klar im Vordergrund. Von Pikachu, über einen bunten Muffin bis hin zur Eiskönigin konnten sich die Kinder zahlreiche Motive aussuchen.

„Setz dich dazu, die Kleinen werden spätestens beim Kleben deine Hilfe brauchen“, sagt die Erzieherin zu mir und so war es auch. 
Schneiden, kleben, malen, basteln und das nicht nur an einer Laterne, sondern an allen gleichzeitig und das ohne ein Kind zu vernachlässigen. Akkordarbeit für die Erzieherinnen und mich. Doch das hat den Profis nichts ausgemacht. Wenn es mal hektisch wurde hieß es mit ruhiger Stimme: „Ihr kommt alle dran. Einer nach dem Anderen.“
Hut ab! Meine komplette Konzentration lag auf zwei Laternen. „Kannst du mir helfen das Gesicht zu malen?“, fragte mich ein Kind. Selbstverständlich antwortete ich und kam ins Schwitzen. Wollte ich doch die Laterne nicht verhunzen! Zum Glück gab es Vorlagen und die Kids sprachen mir gut zu. „Du schaffst das, das sieht gut aus!“ Dieser Zuspruch der Kleinen hat geholfen. Die Ergebnisse können sich sehen lassen.

Nachdem die Laternen soweit fertiggestellt waren, besuchte ich die Krippenkinder „die Frösche“. Es gab seitens der Kinder keine Berührungsängste. „Onkel, wie heißt du?“, wurde ich von einem Kind gefragt und ich antwortete mit: Flo. So hatte ich schnell neue Spielfreunde gefunden. Nachdem mir stolz die Spielsachen gezeigt wurden, hieß es: „Flo, kannst du mit mir spielen. Flo, kannst du mir vorlesen. Kannst du zusammen mit uns singen, Flo.“ Hier kamen meine Kindergartenerinnerungen hoch. Sangen wir doch tatsächlich Plitsch-Platsch Pinguin. Mein absolutes Lieblingslied aus meiner eigenen Kindergartenzeit. Allein für die Freude die in den Gesichtern der Kinder strahlte hat sich mein Praktikumstag bereits hier gelohnt.

1,2,3, die Spielzeit ist vorbei…. So sangen die Kinder zusammen mit ihren beiden Erzieherinnen und machten sich bereit für das Mittagessen. Selbstständig setzten sich die Kinder an die Tische und warteten gespannt auf das Essen. Eine leckere Gemüsecremesuppe mit Einlagen zum Selbstwählen. Gemeinsam sangen wir noch ein Tisch-Lied und das große Essen konnte beginnen.
Hier hat wirklich alles mitgegessen: der Tisch, das komplette Gesicht, die Hände und die Arme. Ein Bild für die Götter, doch Hauptsache ist, dass es den Kindern geschmeckt hat.
Nun hieß es für mich, aufräumen, Tische, Stühle und den Boden wischen und auf Wiedersehen sagen, denn für die Kinder ging es nun in das Land der Träume. Ehrlich gesagt hätte ich mich an dieser Stelle ebenfalls gerne hingelegt, doch blieb keine Zeit zum Ausruhen. Für mich ging es nun ins Bistro.
Hier durfte ich mit den Senioren und den Hort-Kindern gemeinsam zu Mittag essen. Einige Senioren kamen mit ihrem eigenen Auto, doch der größte Teil wurde von Frau Zoller mit einem Fahrzeug von zu Hause abgeholt.

An Tisch entwickelten sich schnell großartige Gespräche. So konnte ich erfahren, dass ein Herr schon seit über 11 Jahren täglich zum Essen kommt. Oder dass die Senioren die Anwesenheit der jüngeren Generationen zu schätzen wissen und es ihnen guttut. Genauso konnte ich Zahlreiches über die einzelnen Ortsteile und ihre damaligen Spitznamen erfahren. Es war eine erfrischende Erfahrung den Mittag gemeinsam mit den Damen und Herren zu verbringen.

Nachdem wir unseren Nachtisch verputzt hatten, konnte ich den Senioren noch beim Einsteigen in das Fahrzeug helfen und ging anschließend in die Verwaltung. Dort erfuhr ich im Interview einiges über den Einsatz der Tagesmütter.

Ausbildung, Einsatz, Auslastung, Vorteile und Nachteile in der Tagespflege wurden mir in einem intensiven Gespräch aufgezeigt und vorgestellt. Tagesmütter lernte ich an diesem Tag keine kennen, da sie die Kinder in ihrem Eigenheim betreuen und nicht in den Räumlichkeiten vom „Kleinen Anton“.

Mit wirklich vielen Eindrücken und neuen Erfahrungen lies ich am Nachmittag mit Frau Zoller den Tag Revue passieren. Ich bin wirklich dankbar über diese Möglichkeit den „Kleinen Anton“ so nah kennenlernen zu dürfen. Der soziale Mehrwert dieser Einrichtung ist nicht so einfach in wenige Worte zu packen.

Ich erlebte ein wirklich engagiertes, freundliches und hochmotiviertes Team, das weiterhin bei seiner Arbeit unterstützt werden muss. Finanziell, mit Werbeangeboten und in der Vernetzung kann man für, mit und durch den „Kleinen Anton“ für Gründau noch Einiges erreichen.

Ich weiß nun um die Sorgen und Anliegen des Teams. Es kommen keine einfachen Zeiten auf den „Kleinen Anton“ zu, umso wichtiger ist es, mit einer klaren Kommunikation gemeinsame Wege zu finden, um diese großartige Einrichtung weiterhin zu unterstützen. Vielen Dank für die Eindrücke und danke an die Mitarbeiterinnen für die Geduld mit mir.

Florian Neumann